Nächtliche Wunder auf dem Meeting
Die Nightsessions

An Stelle des ersten Bunten Abends gab es diesmal etwas ganz besonderes auf dem Meeting; die Nightsessions. Dank einer sehr großen Auswahl war für jeden etwas dabei, ob man lernte die Sterne als GPS zu benutzen oder einfach durch den Wald spazieren ging. Ziel war es Allahs Schöpfung im Alltag zu erleben und zu spüren. Der Abend war ganz der Seele und dem Geist gewidmet, um Allah durch die unzähligen Wunder dieser Welt näher zu kommen. Für alle die nicht die Möglichkeit hatten eine Session mitzuerleben oder sich einfach nur noch mal erinnern möchten erzählen hier einige Teilnehmer von ihren Erlebnissen.
 

"Was Allah von uns will" (Bruder Imran)
"Was Allah von uns will", war die zentrale Fragestellung der Nightsession von Bruder Imran. Man kann so viel zu dem Thema sagen oder sich mit einigen Grundsätzen zufrieden geben. Bruder Imran schaffte es, uns in einem lockeren Vortrag das Wichtigste nahe zu bringen.
Mithilfe der Sura Al-'Asrdas Nachmittagsgebet; zu verrichten vom späten Nachmittag bis vor Sonnenuntergang (die Zeit) erklärte er uns, dass es im Grunde auf die vier Optionen ankommt im Leben: zu glauben, gute Werke zu verrichten und einander zur Wahrheit und zur Standhaftigkeit anzuhalten. Darüberhinaus sollte man jede Lebenssituation als Fragestellung sehen. Wenn man die Sura Al-'Asr im Kopf behält, so wird sie für jede Frage die passende Antwort geben. Die Nightsession zeigte mir, dass das Richtige zu tun üblicherweise das naheliegendste ist. Und dass auch kurze Suren Großes bewirken können.


„Im Gericht mit sich selbst“ (Bruder Nadir)
Es ist bereits dunkel, als wir uns auf den Weg zum Treffpunkt machen. Trotz der Dunkelheit ist die Gruppe schon aus einiger Entfernung nicht zu übersehen. Alle stehen in einem großen Kreis um ihn herum. Er spricht sehr leise, sodass alle versuchen möglichst nah heranzukommen, um auch nicht ein Wort zu verpassen. Es bildet sich ein richtiges Knäuel um Bruder Nadir.
Wir alle lauschen gespannt der sehr weichen und dennoch eindringlichen Stimme,  die trotz des Flüsterns sehr bestimmt ist.
„Im Gericht mit sich selbst“, so lautet der Titel der Nightsession, und es geht es darum sich einmal mit seinem Inneren auseinanderzusetzen, einmal nur über sich selbst nachzudenken und zu bemerken, welche Makel man hat, an denen man gern arbeiten würde, vor allem aber die, die einem vielleicht unbemerkt im Weg stehen.
Jeder soll sich eine seiner Schwächen in Gedanken rufen die einem selbst nicht gefallen und sich nicht positiv auf sich selbst oder aber auch auf sein Umfeld auswirken - Macken wie z.B. das Morgengebet zu verschlafen oder aber zu lästern oder oder oder - jeder weiß da über sich selbst am besten bescheid.
Wir werden nun also einen Spaziergang machen und währenddessen darüber nachdenken, wann uns diese Schwäche in die Quere kommt. Niemand wird auch nur ein Wort sagen. Nur Bruder Nadir wird uns durch diese Session leiten.
Es ist wie am jüngsten Tag. Wir sind zwar eine Gruppe von Menschen und alle gemeinsam, aber doch ist jeder für sich selbst und nur mit sich beschäftigt.
Jeder nimmt einen Stein in die Hand, welcher die Schwäche darstellen soll, die sich jeder denkt. Ein Stein auch als Zeichen der Last, die wir da mit uns herum tragen.
Wir laufen los. Seine Worte sind sehr eindringlich, und schon merkt man wie jeder in Gedanken bei seinem eigenen Problem ist.
Die Straße ist geteert und es ist kein Problem dem Weg trotz der Dunkelheit zu folgen. Es geht bergab. In Gedanken immer die alltäglichen Situationen, bei denen man weiß etwas nicht richtig zu machen, jedoch bis jetzt noch nicht die Kraft zu haben es zu ändern. Der Weg wird ebener. Durch die dichten Bäume um uns herum ist es nun kaum noch möglich zu sehen, wo es lang geht. Ein oder zwei Schwestern tragen jedoch weiße Tücher, die uns den Weg leiten. Der Weg ist nun auch nicht mehr geteert, sondern besteht aus waldiger Erde. Wurzeln bringen zum Stolpern. Der Boden ist teilweise aufgeweicht, und man tritt in tiefen Matsch. Man kann nichts sehen, aber man spürt wie man einsinkt und der Matsch solch einen Augenblick an den Schuhen zieht, sodass es sich anfühlt als wolle er einen nicht loslassen. Ein paar hundert Meter weiter kommen wir an eine Lichtung, wo plötzlich nichts mehr von der Dunkelheit zu merken ist, da der Mond so hell leuchtet, dass man klar erkennen kann, wo man hin tritt und keine Befürchtung mehr haben muss zu stolpern.
An der Lichtung vorbei geht es nun komplett ab vom Weg mitten durch den Wald. Nun geht es bergauf, und wieder ist nichts zu sehen. Das Unterholz knackt beim Drauftreten. Die Stille ist nicht zu beschreiben. Niemand sagt etwas. Kein Flüstern. Einfach nichts.
An einer Art Hochsitz angekommen bleiben wir alle stehen. Es war schon ein langer Weg.
Alle sind wir ein bisschen außer Puste. Ein tiefes Durchatmen geht durch die Runde.
Noch ist nicht der Tag gekommen, an dem die Sonne im Westen auf geht, wie es für den jüngsten Tag prophezeit ist, und wir haben immer noch die Möglichkeit unsere Schwächen abzulegen. Das wollen wir nun versuchen. Jeder einzelne tritt in die Mitte unseres Kreise und legt seinen Stein ab, alle auf einem Haufen. Jede einzelne noch so kleine Macke von uns allen bildet einen kleinen Haufen und was für ein Segen ist es, dass wir noch die Zeit haben sie abzulegen – niemand von uns weiß wie lange noch. Die zweite Etappe unseres Weges verbringen wir damit, Allah um Vergebung zu bitten für unsere Schwächen, die wir soeben abgelegt haben und auch nicht zu ihr zurückkehren wollen. Der Weg ist genauso durchwachsen wie zuvor. Weiter ziehen wir durchs Unterholz.
Obwohl nicht einer etwas sagt, kann man die Stimmung jedes einzelnen spüren - eine Mischung aus Erleichterung und Zufriedenheit und auch Dankbarkeit.
Ein unterdrücktes Schluchzen geht durch die Reihen. Leise rollen die Tränen über ihre Gesichter.
Der Waldweg geht in einen festen geteerten Weg über und auch das Mondlicht weist uns wieder den Weg. Wir strömen wieder zum Anfangspunkt.
Die weiche leise Stimme von Bruder Nadir erklingt wieder und lässt uns aus unseren Gedanken erwachen. Wenn man nur mit sich und Allah ist, kann man sich nichts vormachen und schönreden. Das wissen wir nun alle. Jeder von uns hat ein Stück seiner Last verloren, und wir sollten uns immer daran erinnern, dass wir nicht wissen, wie lange jeder von uns noch Zeit hat, um an seinen Schwächen zu arbeiten und umzukehren.
Der Weg des Lebens ist genau wie der Weg, den wir eben zurück gelegt haben. Es ist mal eben, mal bergauf oder bergab, oder aber auch mal sehr holprig. Manchmal ist Finsternis um einen herum und manchmal eben Licht. Wie schwer ist der Stein in deiner Hand?!
 



Die Wunder des Korandas gesegnete Buch des Islams; wörtlich: „die Rezitation“, „das oft Gelesene“; das Vorgetragene; die Lesung; der Vortrag; das von Allah an Seinen Gesandten Muhammad (saw) offenbarte Buch in arabischer Sprache
Es gibt viele Nichtmuslime, die an der Echtheit des Koran zweifeln, und denkt man an das betagte Alter des Koran, ist es schon ein Wunder Gottes, dass er uns unverfälscht erhalten geblieben ist. Um das Wunder des Koran, darum ging es in dieser Nightsession. 

So zeigte die Referentin uns mehrere Suren, die das Phänomen des Gewitters beschrieben. Sternenkonstellationen und die Entwicklung vom menschlichen Leben wurden genauestens geschildert.
Man bekam Eindrücke vom einzigartigen Sprachgebrauch im Koran, den Metren in den Versen, den Reimen und der Wortwahl. Beispielsweise gibt es für den Löwen in der arabischen Sprache 72 (!) unterschiedliche Bezeichnungen. Auch wurden wir auf die Anzahl von verschieden Wörtern im Koran aufmerksam gemacht:
„Tag“ kommt darin genau 365 Mal vor, „Monat“ 12 Mal usw. Diese wissenschaftliche Belege sind einmal mehr ein Beispiel dessen, welche Vielfalt der Koran in seiner Echtheit aufweist. Er ist für jeden etwas dabei – den Mathematiker, den Emotionalen und Spirituellen, für den Mann, die Frau, das Kind, den Armen, den Reichen, den Ostlern und Westlern. Und das ist das eigentliche Wunder!

 



Planspiel Hadsch
Es ist dunkel. Von weitem hört man das Gerufe und Geklatsche der Fußballgucker, aber hier, hier ist Ruhe und Stille und Frieden. Eine Armee von Kerzen grüßt warm und herzlich, sie strahlt milchiges Licht aus, weist den Weg. Den Weg des Pilgers, des Reisenden auf dem Wege Allahs, des in sich Reisenden. Sie warten. Die Hitze ist nicht so brütend wie in Mekkagesegnete Stadt des Islams; Geburtsort des Gesandten Gottes Muhammad (saw), denn dies ist ein lauer Frühlingsabend in Bad Orb; auch das Gefühl der sehnsüchtigen Erwartung des Anblicks der Kaabagesegnetes „Haus Allahs“ in Mekka; wörtlich: Würfel; gemeinsamer Richtpunkt der Muslime gemäß Koran (2:144) beim Gebet; siehe Bajtullâh ist nicht allzu stark. Dennoch: dies soll eine kleine Pilgerreise werden, auf dass sie eine Vorbereitung für die große, echte, vielleicht bald kommende, sei. Die Ihram-Tücher sind diesmal Bettlaken und Kopftücher; sie sind umgelegt. Die Stimme des Gruppenleiters kommt diesmal aus dem Handy; er führt durch die verschiedenen Stationen, berührt Körper und Geist, macht den Sinn dieser Reise bewusst. Die Pilger beginnen zu laufen. „Labaik Allah, Allahuma labaik“, ich bin bereit, oh Allah. Ihr Weg führt sie zur Kaba, aus Bänken und Stoffen bestehend, und sie beginnen sie zu umrunden. Sieben Mal. „Labaik Allah“. In Gedanken versunken, konzentriert auf den einen. Der Sai – das Hin- und Hergehen zwischen den Hügeln Safa und Marwa – wartet auf die Pilger. Zwischen zwei Hügelchen auf dem Asphalt sich bewegend, denkend an Hajar, Ismail und der Suche nach Wasser. Wasser, Wasser! Erlöst, die Quelle Zam-Zam entspringt, was für eine Erleichterung, was für eine Wohltat! Und da kommt das Licht! Sie laufen zu ihm, zum Berg Arafat. Er ist ein von Lichtern umrundeter Fußballplatz, Quelle der Erkenntnis, der Erinnerung, der Gnade. Bittgebete werden von hier aus gesprochen, in sich gehen die Pilger, denken nach über den Schöpfer und sich. Jetzt sind sie bereit ihre Fehler und Schwächen abzulegen, neu zu beginnen. Weiter wandern sie, um symbolisch den Teufel zu steinigen. Zwei Grillvorrichtungen stehen für ihn. In ihnen brennen Lichter, sie warten auf Papier, das sie zerfressen können. Bedächtig schreiben die Reisenden ihre Schwächen, von denen sie ablassen möchten, aufs Papier. Tauba, Reue befällt sie, Vorsätze machen sie sich. Das Papier wird zerknüllt. Kleiner und kleiner wird es, knittriger und knittriger. Dann brennt es im Feuer, steigt in Rauch auf, löst sich auf. Weg ist es, und mit ihm die Sünden und Fehler. Sie sind angekommen auf ihrem Weg, haben die Chance von vorn anzufangen, sind wie neu geboren.

Langsam gehen sie zum Startpunkt zurück, legen ihre Ihram-Kleidung ab, schließen die MP3-Datei, kommen wieder zurück ins Hier und Jetzt des Schullandheims Wegscheide. Sie lassen ihre Reise auf sich wirken. Schön war es, intensiv, und doch ging es so schnell. Einen Hauch des Gefühls, der Sehnsucht nach der richtigen Hadsch hat es hinterlassen. Wie schön das wäre! Dann gehen sie. Dahin, wo die anderen Fußball schauen, klatschen und rufen.

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